Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 113 - 04.07.2016

Ausbildungsmarkt Nordhessen: Ausbildungsplatzmängel statt genereller Mangel an Auszubildenden

„Einige Betriebe in Nordhessen müssen ihre Qualität in der Ausbildung dringend verbessern. Wer sich etwa mit Auszubildenden im Bäckereihandwerk unterhält, der weiß, dass selbst minderjährige Azubis regelmäßig Überstunden machen müssen“, erklärt Kathrin Harth, Jugendbildungsreferentin der DGB-Jugend Nordhessen. „Gerade in Bereichen des Handwerks weicht die Neugier für den erwählten Beruf und die Freude über den Ausbildungsplatz nicht selten der Ernüchterung, dass man als Azubi als billige Arbeitskraft eingesetzt wird“, weiß Harth zu berichten.

 

Ausbildungsmarktzahlen

Foto: colourbox

 

Zur heutigen Veröffentlichung der Ausbildungsmarktdaten der Bundesagentur für Arbeit betont Harth: „Es gibt immer noch sehr viele ausbildungssuchende junge Menschen! Nicht alle in Nordhessen erhalten jedoch einen betrieblichen Ausbildungsplatz“. Nach der jüngsten Statistik standen im Landkreis Kassel den 1298 gemeldeten Ausbildungssuchenden 1059 betriebliche Ausbildungsplätze gegenüber. Auch in den Landkreisen Schwalm-Eder und Werra-Meißner-Kreis gab es mehr Bewerberinnen und Bewerber als Berufsausbildungsstellen in den Betrieben. Deshalb sei unverständlich, warum Unternehmen sowie IHK einen generellen Mangel an Auszubildenden beklagen.

„Der Ausbildungsbedarf wird weiter hoch sein“, bekräftigt Harth. „Grund hierfür ist das jahrelange Unterangebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen, weshalb in der Vergangenheit zahlreiche Bewerberinnen und Bewerber keine Ausbildungsstelle erhielten“, so Harth weiter. Zudem gelte es jungen geflüchteten Menschen, eine Ausbildung zu ermöglichen. „Wer Fachkräfte will, muss sie rechtzeitig, wohnortnah und gut ausbilden! Geschieht dies nicht, wandern junge Menschen aus den ländlichen Regionen ab“, gibt Harth zu bedenken. 

Ausbildungsqualität sicherstellen

„Von massiven Defiziten bei Schülerinnen und Schülern zu sprechen und diese als lernschwach zu stigmatisieren, ist einfach, aber nicht zielführend“, betont Harth. Um Qualität in der Ausbildung zu sichern, müssten vielmehr Ausbildungsrahmenpläne eingehalten sowie qualifiziertes Ausbildungspersonal und zeitgemäße Ausbildungsmaterialien eingesetzt werden. Außerdem gelte es die Defizite in einigen Ausbildungsbetrieben zu beheben.

 


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