Deutscher Gewerkschaftsbund

16.02.2018

Auf den Punkt gebracht: Die Gesundheitsversorgung im Schwalm-Eder-Kreis muss besser werden

Probleme gibt es in der Gesundheitsversorgung genug. Dazu gehören fehlende Hausärzte, die Zwei-Klassen-Medizin und schlechte Arbeitsbedingungen für das Personal. Der DGB Schwalm-Eder hat bei seinem Jahresauftakt in Homberg für Aufklärung gesorgt. Jürgen Kaufmann, Erster Kreisbeigeordneter und Gesundheitsdezernent des Schwalm-Eder-Kreises, half den rund 60 Teilnehmern beim Einstieg in das komplexe Thema: „In den nächsten Jahren muss weniger medizinisches Personal immer mehr Menschen versorgen.“ Er schlug vor, die Anzahl der Medizin-Studienplätze zu erhöhen und den Gemeinden neue Projekte für eine bessere Gesundheitsversorgung zu erlauben.

Zu Beginn des Hauptvortrags freute sich Georg Schulze-Ziehaus, Gesundheitsexperte bei ver.di Hessen. Gesundheit gehöre wie der Zugang zu Wasser, Bildung oder die Verkehrsinfrastruktur zur Daseinsvorsorge und damit zu einer Hauptaufgabe der Politik. Diese Errungenschaft könne man gerade im Vergleich mit anderen Ländern deutlich sehen. In Deutschland würden jedes Jahr über 350 Milliarden Euro für die Gesundheit der Menschen ausgegeben.

Schulze-Ziehaus brachte dann einige Schwierigkeiten auf den Punkt: Eine Zwei-Klassen-Medizin bestehe nicht nur zwischen gesetzlich und privat Versicherten, sondern auch zwischen der Versorgung in den Ballungsgebieten und auf dem Land. Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen stationärer Versorgung (Krankenhäuser) und ambulanter Versorgung (Arztpraxen) sei notwendig. Dadurch könnte der Überversorgung in den Ballungsgebieten und der Unterversorgung auf dem Land begegnet werden. Das Land Hessen zahle bei notwendigen Investitionen in den Krankenhäusern nur die Hälfte der Kosten. Dadurch sparten die Betreiber beim Personal ein, und ärmere Kommunen holten sich oft private Investoren und würden von diesen abhängig.

Georg Schulze-Ziehaus und Bundestagsabgeordneter Dr. Edgar Franke diskutierten anschließend über die geplanten Maßnahmen von SPD und CDU in der Bundespolitik. Franke war an den gesundheitspolitischen Verhandlungen für eine nächste Bundesregierung beteiligt.
Jenny Huschke, neue DGB-Geschäftsführerin in Nordhessen, fragte als Moderatorin nach: „Was bringt es 8.000 neue Stellen in der Pflege einzurichten, wenn jetzt schon die ausgebildeten Fachkräfte fehlen?“ Damit lenkte sie die Diskussion auf die teilweise sehr schlechten Arbeitsbedingungen, die Menschen davon abhielten in der Pflege zu arbeiten. Georg Schulze-Ziehaus wunderte sich über die fehlenden Fachkräfte im Schwalm-Eder-Kreis überhaupt nicht, da beispielsweise Asklepios das Pflegepersonal 25 Prozent unter dem Tarifvertrag bezahle. Nur eine kräftige Erhöhung der Löhne werde die Mängel im Pflegebereich beheben.

Der Koalitionsvertrag der möglichen Großen Koalition bietet bessere Aussichten für das Pflegepersonal. So sollen die Einrichtungen automatisch mehr Geld von den Krankenkassen bekommen, um die ausgehandelten Tariferhöhungen der Gewerkschaften zu bezahlen. Schulze-Ziehaus und Franke waren sich einig, dass diese Vereinbarung konsequent umgesetzt werden müsse.

Immer wieder kritisierten die Experten die zu große Macht der Kassenärztlichen Vereinigung. Diese würde wichtige neue Wege in der Gesundheitsversorgung blockieren. Auf dem Land müsse man Krankenhäuser und Arztpraxen viel stärker miteinander kombinieren, zum Beispiel in Form von Medizinischen Versorgungszentren.

Fazit des DGB-Jahresauftakts: Problem erkannt. Was kann man tun? DGB-Kreisvorsitzender Hajo Rübsam lud für den 24. Mai zum ersten Treffen eines regelmäßigen Gesprächskreises ein. Der DGB will konkrete Lösungen für die Gesundheitsversorgung im Schwalm-Eder-Kreis erarbeiten. Rübsam: „Die Gesundheit der Menschen wird eine immer wichtigere Aufgabe für den Landkreis und die Gemeinden“


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